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Schlaganfall: Jede Minute zählt!

Diabetes erhöht das Risiko für einen Schlaganfall. Wie Sie die Anzeichen erkennen und im Notfall sofort richtig handeln

von Alexandra von Knobloch, 24.06.2019
Notfall Krankenhaus

Verdacht auf Schlaganfall: So rasch wie möglich in eine geeignete Klinik


Täglich erleiden in Deutschland rund 740 Menschen einen Schlaganfall. Die Ursache ist meist ein verstopftes Blutgefäß oder eine Blutung im Gehirn. Dadurch werden Gehirnzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Die Gefahr, zu sterben oder schwer behindert zu bleiben, wächst mit jeder Minute ohne Hilfe.

"Zeit ist Gehirn. Dieser Merksatz wird immer wichtiger", sagt Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. Der Grund: Die Therapiemöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Mit einem Kathetereingriff lassen sich seit 2015 sogar viele besonders schwer betroffene Patienten erfolgreich behandeln.

Lieber einmal zu oft zum Arzt

"Voraussetzung ist, dass jeder Mensch beim Verdacht auf einen Schlaganfall schnellstmöglich eine Klinik mit einer Spezialabteilung, einer zertifizierten Stroke Unit, erreicht", betont Schäbitz. Er rät: "Wählen Sie bei Anzeichen eines Schlaganfalls sofort den Notruf 112. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig."

Die häufigsten Symptome eines Schlaganfalls sind leicht zu deuten: Plötzlich lässt sich ein Arm oder Bein nicht mehr richtig bewegen; oder die Glied­maße fühlt sich taub und pelzig an oder kribbelt. Ebenso verbreitet: Lähmungen in einer Gesichtshälfte, etwa ein hängender Mundwinkel.

Viele Betroffene haben Sehstörungen oder Probleme beim Sprechen: Was sie sagen, klingt verwaschen. Sie reden stockend, wiederholen sich, sprechen sinnlos, oder es fehlen ihnen einzelne Worte. Im schlimmsten Fall sind sie zeitweise außerstande zu reden, oder sie verstehen nichts mehr. Auch schlagartig einsetzende Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, ungewohnte Kopfschmerzen, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit können auf einen Schlaganfall hinweisen.

Martin Viertmann

Besserung? Es bleibt ein Notfall

Die Störungen klingen mitunter nach wenigen Minuten ab. Trotzdem bleibt die Lage ernst. Das hat der heute 81-jährige Martin V. vor zwei Jahren erlebt: Eines Morgens schwang er seine Beine über die Bettkante und wollte aufstehen. "Da war es, als stürzte ich rechts in einen Abgrund", erinnert er sich. Die eine Körperhälfte war ohne Kraft und Gefühl. Während er überlegte, was zu tun sei, normalisierte sich sein Zustand. Der Rentner ging ins Bad, zog sich an und brühte sich seinen Frühstückskaffee auf. Doch als er den Becher mit dem Kaffee hochnehmen wollte, sackte sein Arm mit der Tasse nach unten.

Martin V. ließ sich von seiner Tochter ins Krankenhaus fahren — im Nachhinein ein Fehler, sagt er. Weil es dort keine Stroke Unit gab, wurde er in eine andere Klinik verlegt. So ging wertvolle Zeit verloren: Erst mehrere Stunden nach den ersten Beschwerden konnte die Behandlung in einer Stroke Unit beginnen. V. erhielt eine Thrombolyse, kurz Lyse genannt. Dabei leiten Ärzte ein Medikament in die Blutbahn, welches das Gerinnsel, das die Versorgung des Hirns blockiert, langsam auflöst. Diese Therapie verspricht Nutzen, wenn sie innerhalb weniger Stunden nach den ersten Beschwerden startet. Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Reha: Auch hier zählt die Zeit

Ist der Patient in einer Stroke Unit ange­kommen, klären Ärzte mithilfe spezieller Untersuchungen wie einer Computer­tomo­grafie (CT) oder einer Magnet­reso­nanztomografie (MRT), ob ein Schlaganfall vorliegt und ob die Ursache ein Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn ist. Bei einer Blutung etwa darf keine Lyse-Therapie erfolgen. Der Aufenthalt in einer Stroke Unit ist sinnvoll, um einen Schlaganfall rasch zu erkennen und zu behandeln. Dort beginnt auch schnellstmöglich die Rehabilitation.

"Etwa jeder Zweite hat nach einem Schlaganfall gesundheitliche Probleme, bei denen Rehamaßnahmen in einer Spezialklinik nötig werden", berichtet Professor Dr. Stefan Knecht, Leiter der Rehabilitativen Neurowissenschaften an der Universität Düsseldorf und der St. Mauritius Therapieklinik Meerbusch. "Je eher sie einsetzen, desto besser verläuft die Erfolgskurve." Ob Lähmungen, Sprachstörungen oder Schluckbeschwerden: Viele Behinderungen verringern sich oder verschwinden, wenn man mit den richtigen Übungen dagegen angeht.

Wichtige Risikofaktoren für einen Schlaganfall:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Herzerkrankungen, insbesondere Vorhofflimmern
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Höheres Alter
  • Früherer Schlaganfall oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns (TIA)
Viele dieser Faktoren lassen sich durch eine gesunde Lebensweise und mithilfe von Medikamenten gut eindämmen!

"Eine Neuro-Reha orientiert sich an den Bedürfnissen von Schlaganfallpatien­­ten", erklärt Knecht. "Betroffene sollten sie einfordern und sich nicht etwa auf eine geriatrische Reha für ältere Patienten einlassen." Eine geriatrische Reha sei zu unspezifisch. Eine Studie belegt, dass selbst sehr alte Schlaganfallbetroffene von einer Neuro-Reha ebenso profitieren wie jüngere.

Einen zweiten Schlag verhindern

Wichtig ist eine früh einsetzende Reha jedoch nicht nur, um wertvolle Fähigkeiten wiederzuerlangen, sondern sie hilft auch, die Prognose der Betroffenen zu verbessern. So kümmern sich die Reha-Mediziner zum Beispiel darum, dass die Blutzucker- und Blutdruckwerte optimal eingestellt werden, um das Risiko für einen weiteren Schlaganfall einzudämmen. Und sie haben Probleme im Blick, die sich erst nach einiger Zeit zeigen: etwa Depressionen oder Verhaltensänderungen. Außerdem helfen sie den Patienten, die Ursachen und Folgen des Schlaganfalls zu verstehen und das Ereignis zu verarbeiten.

Martin V. konnte nach seinem Hirnschlag unter anderem nur sehr schwankend gehen. "Die Gefahr zu stürzen war hoch", erzählt er. Trotzdem wurde sein Antrag auf eine Reha zunächst abgelehnt. Er legte mehrfach Widerspruch ein und erwirkte schließlich noch eine Verlängerung, als die Gehprobleme ihm weiter zu schaffen machten. Ein Elan, der seinen Reha-Arzt bewog, ihn zur Gründung einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe zu ermutigen. Sie besteht sein Juni 2017 in Bad Driburg unter V.s Leitung.

Seine Blutzuckerwerte — 2001 war bei V. Typ-2-Diabetes festgestellt worden — hält er ausschließlich durch ausgewogene Ernährung im Normalbereich. "Eigeninitiative zahlt sich eben aus", sagt er. "Dass ich die Warnzeichen bei meinem Schlaganfall vor zwei Jahren erkannt habe und relativ rasch ins Krankenhaus kam, hat vermutlich auch dazu beigetragen, dass es mir heute wieder gutgeht."


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