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Diagnose Schwangerschaftsdiabetes nimmt zu

Schwangerschaftsdiabetes wird bei werdenden Müttern inzwischen häufiger festgestellt. Die Erkrankung lässt sich behandeln. Aber die Nachsorge ist ein Problem: Kaum eine der betroffenen Frauen lässt nach der Geburt ihre Werte kontrollieren

von Elena Zelle, 16.08.2021
Schwangerschaftsdiabetes

Bei immer mehr Frauen diagnostizieren Ärzte und Ärtzinnen Schwangerschaftsdiabetes: Im Jahr 2018 waren laut einer Studie 6,8 Prozent aller Frauen in Deutschland, die ihr Baby in einem Krankenhaus zur Welt gebracht hatten, betroffen. Fünf Jahre zuvor wurde hingegen nur bei 4,6 Prozent dieser Gruppe der sogenannte Gestationsdiabetes (GDM) festgestellt. Das berichten Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Unter den 752.773 Frauen, die 2018 ihr Kind in einer Klinik bekommen haben, wurde bei 51.318 ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. 2013 waren es 29.735 Fälle bei 652.479 Klinikgeburten.

Der sogenannte Gestationsdiabetes ist eine Störung des Blutzuckerspiegels, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Der Körper reagiert nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin. Dadurch wird der Zucker aus dem Blut schlechter in die Zellen befördert. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt. In der Regel erledigt sich das Problem nach der Geburt von selbst und die Werte normalisieren sich.

In vielen Fällen lässt sich während der Schwangerschaft mit Bewegung und gesunder Ernährung gegensteuern. Außerdem sollten die werdenden Mütter darauf achten, trotz Schwangerschaft nicht allzu viel an Gewicht zuzunehmen. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, um den Blutzucker in den Griff zu bekommen, müssen die betroffenen Frauen Insulin spritzen.

Gefahren für Mutter und Kind

Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden: Das Risiko für Frühgeburten und Kaiserschnitte steigt. Die Frauen haben außerdem ein höheres Risiko, eine sogenannte Präeklampsie zu bekommen. Eine ernste Komplikation, die umgangssprachlich Schwangerschaftsvergiftung genannt wird. Die Babys kommen häufiger mit Fehlbildungen zur Welt und sind bei der Geburt oft schwerer - was das Risiko für Geburtsverletzungen erhöht.

Langfristig besteht für Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes Studien zufolge ein höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, und ihre Kinder neigen eher zu Übergewicht.

Screening ermöglicht frühe Behandlung

Um diesen Gefahren vorzubeugen, gibt es in Deutschland seit 2012 ein Screening zur Früherkennung. Es soll routinemäßig allen schwangeren Frauen zwischen der 24. Und 28. Schwangerschaftswoche angeboten werden. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes zweistufiges Screening: Zunächst wird ein Vortest gemacht, bei dem die Schwangere ein Glas mit in Wasser gelöstem Traubenzucker trinkt. Eine Stunde später wird der Blutzucker gemessen.

Übersteigt dieser einen bestimmten Grenzwert, steht ein zweiter Test ("Oraler Glukosetoleranztest") zur Diagnose an. Dabei trinkt die Frau, diesmal nüchtern, erneut eine definierte Menge einer Traubenzuckerlösung. Ihre Blutzuckerwerte werden direkt vor dem Trinken der Lösung sowie eine und zwei Stunden danach gemessen. Ist eines der drei Messergebnisse höher als die Normwerte, stellt der Arzt oder die Ärztin die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes.

Die gute Nachricht ist laut der Studie der RKI-Wissenschaftler: Neun von zehn Frauen (89,9 Prozent) nahmen 2018 an dem Screening teil. 2016 waren es weniger, nämlich 83,4 Prozent.

Zuwenige Mütter bei der Nachsorge

Ein großes Problem ist allerdings die Nachsorge. Laut der Behandlungsleitlinie zum Gestationsdiabetes sollen die Patientinnen sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ihre Blutzuckerwerte kontrollieren lassen. Dazu steht wieder ein Glukosetoleranztest an - eigentlich. Aber: Laut dem sogenannten GestDiab-Register, ein Verzeichnis zu Diabetes und Schwangerschaft, nahmen zwischen 2013 und 2017 nur vier von zehn der betroffenen Mütter diesen Termin wahr, wie Experten auf dem diesjährigen Diabeteskongress berichteten. Ob sich die hohen Blutzuckerwerte also wirklich mit der Geburt wieder normalisiert haben, wissen 60 Prozent der jungen Mütter also nicht.


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