Probleme beim Sex: "Vieles lässt sich gut behandeln"

Manche Frauen und Männer mit Diabetes finden keine sexuelle Befriedigung. Ihnen kann meist geholfen werden – auch mit Medikamenten, sagt Sexualmedizinerin und Diabetologin Dr. Carla Pohlink im Interview

von Andrea Grill und Tina Haase, 21.09.2018
Paar sitzt auf Bett

Frust im Bett: Diabetes kann sich auch auf das Sexleben auswirken


Probleme beim Sex durch Diabetes: Kommt das häufig vor?

Ja! Etwa jede dritte Frau und jeder zweite Mann mit Diabetes erleben Einschränkungen beim Sex. Viele Betroffene versuchen aber, ihre Probleme zu verbergen. Einerseits aus Scham und andererseits, weil sie nicht wissen, dass es wirksame Hilfen für sie gibt.

Wer ist der richtige Ansprech­partner dafür?

Zunächst der eigene Partner. Sonst können leicht Missverständnisse entstehen. Verschweigt etwa ein Mann seine Erektionsprobleme und zieht sich zurück, dann denkt die Frau vielleicht, er geht fremd oder liebt sie nicht mehr. Für medizinische Hilfe ist der beste Ansprechpartner der Hausarzt. Er findet, wenn nötig, einen passenden Spezialisten.

Wie beeinträchtigt die Zuckerkrankheit die Sexualität?

Wenn Nervenschäden und Durchblutungsstörungen auftreten, dann spüren Betroffene — egal ob Frauen oder Männer — weniger, die Geschlechtsorgane werden nicht richtig stimuliert. Der Penis bleibt dann etwa schlaff und die Vagina trocken. Die Folge: Sex klappt nicht und macht keinen Spaß mehr.

Was tun?

Zuerst einmal sollte die Blutzucker­einstellung optimiert werden.
Gute Werte beugen Schäden an Nerven und Gefäßen vor. Ein stabiler Blut­­zucker verursacht auch keinen Stress — gut  für entspannten Sex!

Welche medizinischen Hilfen gibt es?

Frauen sollten auf übertriebene Genitalhygiene verzichten. Meine Empfehlung: nur einmal täglich waschen und keine Intimwasch­lotionen verwenden. Um die Scheidenflora gesund zu erhalten, helfen Vaginalzäpfchen aus der Apotheke.

Wenn der Geschlechts­verkehr wehtut ...

... sind Gleitgele auf Wasserbasis hilfreich. In den Wechseljahren, wenn die Beschwerden oft stärker werden, kann der Arzt lokal wirkende Hormonzäpfchen oder -cremes verordnen.

Was tun, wenn durch Nervenschäden das Empfinden nachlässt?

Dann brauchen Frauen beim Sex eine stärkere Stimu­lation. Die bekommen sie etwa, wenn sie beim Liebesspiel mit dem Partner einen Vibrator verwenden.

Was empfehlen Sie Männern mit Erektions­problemen?

Der Arzt wird, sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht, PDE-Hemmer (Wirkstoff zum Beispiel Sildenafil) verordnen. Es gibt kurz und lang wirksame Tabletten. Der Mann muss ausprobieren, was am besten zu ihm passt. Keinesfalls sollte man dubiose Pillen von irgendwelchen Anbietern im Internet kaufen. Sie enthalten oft andere Wirkstoffe als angegeben.

Und wenn Pillen nicht helfen?

Dann gibt es zum Beispiel das Medikament Alprostadil, das als kleines Pellet in die Harnröhre eingeführt oder in den Schwellkörper des Penis injiziert wird. Es erweitert die Blutgefäße und verhilft dadurch zu einer Erektion. Reicht das nicht aus, kommen Vakuumpumpen oder Implantate infrage.

Wer übernimmt die Kosten? Zahlt das alles die Krankenkasse?

Nein. Vaginalzäpfchen, Gleitgele, PDE-Hemmer und Alprostadil müssen die Patienten aus eigener Tasche zahlen. Die anderen Hilfen werden in der Regel von den Krankenkassen erstattet.


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