Impotenz: Was bringen Tabletten?

Bei Erektionsstörungen greifen viele Männer zur Tablette. In welchen Fällen helfen die Pillen, wann eher nicht? Und: Welche Alternativen gibt es?
von Dr. Sabine Haaß, 08.11.2017

Erfülltes Liebesleben: Potenz-Pillen können einen Beitrag dazu leisten

Panthermedia/Yuri Arcurs

Ein heikles Thema, über das keiner gern redet. Und freiwillig schon gar nicht. Dabei hat etwa jeder zweite Mann mit Diabetes Probleme mit der Erektion beim Sex. Je älter, desto häufiger. Man(n) ist also keineswegs allein mit seinem Frust. Vor allem: Es gibt Hilfe – wenn man seine Scheu überwindet und mit dem Arzt spricht.

Was steckt hinter Potenz-Problemen?

Hohe Zuckerwerte können mit den Jahren sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes zu Durchblutungsstörungen und Nervenschäden im ganzen Körper führen. Sind Gefäße und Nerven nicht mehr ganz intakt, leidet auch das Erektionsvermögen. Blut­hochdruck, ungünstige ­Blutfettwerte, Übergewicht und Rauchen tun ein Übriges. Tabletten, die sogenannten PDE-5-Hemmer, können die Erektion verstärken und verlängern. "Das gilt auch für Männer mit Diabetes", sagt Dr. Gerhard Eberlein, Diabetologe in Bayreuth. "Es sei denn, die Gefäß- und Nervenschäden sind schon zu weit fortgeschritten." Das festzustellen ist Sache des Arztes.

Vier Pillen zur Auswahl

Weil Potenzstörungen zu etwa 80 Prozent organisch bedingt sind, gelten die "Sex-Pillen" als erste Wahl für die Therapie. Sie sorgen dafür, dass sich die Muskulatur der Gefäßwände entspannt und wieder genügend Blut für eine Erektion in die Schwellkörper des Penis strömt. Vier Präparate gibt es mittlerweile auf dem Markt. Sie unterscheiden sich im Wirkeintritt und in der Wirkdauer, aber auch im Preis: Der erste Wirkstoff, der 1998 in den Handel kam, steht nicht mehr unter Patentschutz und ist deshalb als preiswerteres Nachahmerpräparat erhältlich. Ein wichtiger Aspekt, denn die Krankenkassen bezahlen PDE-5-Hemmer nicht.

Welcher Wirkstoff eignet sich für wen? "Die Auswahl hängt davon ab, was sich der Mann wünscht", sagt Dr. Christian Leiber, Urologe am Universitätsklinikum Freiburg. Die Wirkung von Sildenafil, Vardenafil und Avanafil setzt ziemlich schnell ein und hält fünf bis sechs Stunden an. Tadalafil wirkt erst nach zwei Stunden, dafür bis zu eineinhalb Tage lang. In niedriger Dosis können Männer statt bei Bedarf auch eine Tablette täglich auf Dauer einnehmen – und sind dann "jederzeit bereit". Das schlägt sich aller­­dings im Preis nieder.

Potenzmittel: Wechselwirkungen möglich

Die Pillen billiger ohne Rezept im Internet bestellen sollte man trotzdem nicht: Das kann lebensgefährlich sein. "Es kursieren viele Fälschungen, die mal gar keinen Wirkstoff, mal die doppelte Menge oder giftige Schwermetalle enthalten", warnt Urologe Leiber. PDE-5-Hemmer sollte immer der Arzt verschreiben. Nur er kann auch beurteilen, ob ein Mann sie anwenden darf. Wer schwer herz- oder lungenkrank ist oder wegen verengter Herzkranzgefäße nitrat­haltige Medikamente oder Molsidomin nimmt, muss möglicherweise auf die Pillen verzichten. Da Sildenafil & Co. die gefäß­­erweiternde Wirkung dieser Medikamente verstärken, könnte es zu einem riskanten plötzlichen Blutdruckabfall kommen.

Außerdem sind Erektionsprobleme häufig ein Hinweis auf bislang unentdeckte Gefäßverengungen anderswo im Körper, etwa am Herzen. "Besteht der Verdacht, sollte man sich unbedingt beim Kardiologen untersuchen lassen, um einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen", rät Diabetologe Eberlein.

Nicht gleich aufgeben, wenn es nicht klappt

Wirken können PDE-5-Hemmer nur, wenn der Mann auch sexuelle Erregung und Lust empfindet. Wenn es die ersten paar Mal trotz Einnahme der Pille noch nicht so gut klappt, ist das normal: Die Schwellkörper brauchen "Training", bis sie sich wieder ausreichend dehnen, und eine gewisse Nervosität spielt meist auch mit. Da ist etwas Geduld gefragt, sagt Spezialist Leiber. "Bis zu acht Versuche sollte man auf jeden Fall unternehmen, davon drei oder vier mit der Tablette, die die höchste Dosis des jeweiligen Präparats enthält." Mindestens vier von fünf Männern mit Diabetes verhelfen die Tabletten wieder zur ­Erektion.

Schlägt ein PDE-5-Hemmer nicht an, lohnt es sich, einen zweiten auszuprobieren. Oder zu überlegen, ob es vielleicht andere Ursachen gibt, die die Wirkung ausbleiben lassen: zum Beispiel Konflikte mit der Partnerin, Stress oder bestimmte Medikamente. Am besten ziehen Sie den Arzt ins Vertrauen und bringen Ihre Partnerin gleich mit in die Sprechstunde. Manche Männer vertragen die Pillen aufgrund von Nebenwirkungen einfach nicht, leiden etwa unter Kopfschmerzen oder einem hochroten Gesicht.

Und wenn sich wirklich trotz etlicher Versuche mit den Tabletten nichts tut im Bett? Dann gibt es immer noch Alternativen. Sprechen Sie mit einem Urologen darüber.

Alternativen zur Potenzpille

Vakuumpumpe: Über den Penis wird ein Kunststoff­zylinder gestülpt. Eine Pumpe erzeugt Unterdruck im Zylinder, Blut fließt in die Schwellkörper. Ein Stauring verhindert den Abfluss. Die Kassen übernehmen den Großteil der Kosten.

Schwellkörper-Auto­injektions­therapie (SKAT): Der Mann spritzt sich zehn Minuten vor dem Sex eine gefäßerweiternde Substanz in den Schwellkörper. Ähnlich erfolgreich wie PDE-5-Hemmer. Von den Kassen nicht bezahlt.

Testosterontherapie: Nur bei behandlungsbedürftigem Testosteronmangel. Eine Testosterontherapie kann die Wirkung von PDE-5-Hemmern verbessern. Nicht möglich bei Prosta­takrebs. Die Kosten werden von den Kassen übernommen.

Schwellkörper-Implantat: Künstliche Schwellkörper im Penis werden über eine kleine Pumpe im Hodensack aus einem Reservoir im Bauchraum mit Flüssigkeit gefüllt, es kommt zur Erektion. Die Opera­tion ist Kassenleistung.


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