So finden Sie den richtigen Outdoorschuh

Sie suchen Schuhe zum Wandern, Walken oder Joggen? Tipps, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten

von Birgit Ruf, 30.09.2015

Von oben umhüllt leichtes Netzgewebe den Fuß, nach unten dämpfen dicke Sohlenpolster den Aufprall und lassen selbst Läufer mit mehr als 100 Kilogramm leichtfüßig über Asphalt oder Waldwege traben – moderne Laufschuhe sind ausgeklügelte Hightech-Produkte. Es gibt sie in immer mehr Ausführungen: vom leichten "Runningschuh" für trainierte Marathonmänner und -frauen bis zum "Dämpfungsschuh" für Laufanfänger mit Übergewicht. Ein neuer Trend sind "Trailschuhe". Die relativ flache Sohle und ein gröberes Profil sollen sportlichen Läufern auch in unebenem Gelände gute Bodenhaftung bieten. Allerdings macht das wachsende Angebot die Suche nicht gerade leicht, wenn man sich als Lauf-Anfänger einfach nur ein paar gute Schuhe kaufen möchte.

Braucht man wirklich unterschiedliche Schuhe zum Wandern, Walken, Joggen, oder tut es auch ein Allroundmodell? Wer genau weiß, was er in seiner Freizeit machen will, wird schnell fündig: Für Spaziergänge oder Wanderungen, auch auf unbefestigten Wegen, sind Wanderschuhe das Richtige. Ihre Erkennungsmerkmale sind stabile und gepols­terte Sohlen, Zehenschutz und festes Obermaterial, das die Füße auch bei nassem Wetter trocken hält.

Walken oder Joggen?

Walker oder Nordic Walker, die vorwiegend auf befestigten Wegen unterwegs sind, sind mit Walkingschuhen gut bedient. Deren Sohle dämpft auch bei hohem Körpergewicht zuverlässig. Sie ist aber steifer und eher ungeeignet, wenn man zwischendurch auch mal sprinten oder joggen will. Dazu verwendet man am besten klassische Lauf-, Jogging- beziehungsweise Runningschuhe. Für die nötige Dämpfung beim Aufprall sorgen leichte und stabile Kunststoffschäume. Manche Hersteller  verwenden auch Gel- oder Gaspols­­ter. Die Laufschuhsohle ist häufig, aber nicht immer in sichtbare Segmente unterteilt und sehr flexibel.

Drei Schuhtypen vorgestellt

Ein Allround-Schuh für jede Unternehmung?

Wer sich bei seinen sportlichen Aktivitäten nicht auf eine "Gangart" und damit auf einen Schuhtyp festlegen möchte, ist mit einem klassischen Laufschuh gut beraten, sagt Professor Thomas Milani vom Institut für Angewandte Bewegungswissenschaften an der Technischen Universität Chemnitz.

Mit Laufschuhen kann man sowohl joggen und walken als auch einfache Wanderrouten gehen. Umgekehrt aber nicht: Die steifere Sohle und das höhere Gewicht vieler Walking- und Wanderschuhe würden den Bewegungsablauf beim Joggen behindern.

Laufbandanalysen werden überbewertet

Um den optimalen Laufschuh zu finden, bieten Sportschuhgeschäfte häufig eine Laufbandanalyse an, bei der eine Kamera die Bewegung der Füße und Beine beim Laufen mit und ohne Schuhe aufnimmt. So erkennt der Verkäufer zum Beispiel eine Neigung zum Nach-innen-Knicken. In diesem Fall werden häufig Schuhe mit einer Innenstütze empfohlen, die das Verletzungsrisiko verringern soll. "Allerdings wird die Aussagekraft solcher Laufbandanalysen überbewertet", sagt Thomas Milani. So gäbe es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass eine Innenstütze vor Verletzungen schütze. "Dass das Fußgewölbe beim Laufen etwas nach innen knickt, ist nicht ungewöhnlich. Dadurch wird der Aufprall auf natürliche Weise gedämpft", betont Milani.

Ein guter Sportschuh solle den Bewegungsablauf nicht korrigieren, sondern unterstützen und optimal passen. "Das tut er, wenn er den Fuß angenehm umschließt, sich komfortabel anfühlt und ein Gefühl von Stabilität vermittelt", sagt Thomas Milani.

Schlecht sitzende Schuhe: Bei Diabetes drohen Komplikationen

Für Menschen mit Diabetes ist eine optimale Passform noch aus anderen Gründen wichtig: Bei lange erhöhten Blutzuckerwerten steigt das Risiko für Durchblutungsstörungen und Nervenschäden an den Füßen. Dann können bereits kleine Fehlbelastungen oder Druckstellen zu Komplikationen bis hin zu schlecht heilenden Geschwüren führen. "Nichts darf drücken oder reiben, der Schuh muss sitzen wie eine zweite Haut", sagt Fuß-Experte Dr. Karl Zink vom Diabetes Zentrum Mergentheim. Auch wer orthopädische Einlegesohlen verwendet, müsse unbedingt darauf achten, dass Füße und Sohlen in den Schuhen genug Platz finden.

Passt der Schuh mit der Original- oder einer vom Orthopäden verordneten Einlegesohle, steht dem Laufvergnügen nichts im Weg – etwa 1000 Kilometer lang. Nach dieser Strecke ermüdet das Dämpfungsmaterial, und die Schuhe sollten ausgetauscht werden. Aber wer diese Strecke gelaufen ist, verfügt über Erfahrung und bekommt vielleicht Lust, neue Trends zu tes­ten und den optimalen Schuh für sich zu entdecken.

Tipps für den Schuhkauf

  • Überlegen Sie, wofür Sie den Schuh brauchen: Zum Joggen, Wandern, Walken – oder für alles?
  • Nachmittags ins Schuhgeschäft: Die Füße schwellen im Laufe des Tages an. 
  • Lassen Sie sich beraten: Bei sehr schmalen, sehr breiten Füßen oder der Neigung zu Druckstellen kann der Verkäufer geeignete Modelle empfehlen. 
  • Passende Socken: Wer an den Füßen viel schwitzt, sollte Sportsocken aus Funktionsfasern tragen. Sie halten den Fuß trocken. Polster an Ballen und Fersen mindern die Reibung und schützen vor Druckstellen. Nehmen Sie die Socken beim Schuhkauf mit, sie unterscheiden sich in der Dicke.
  • Zeit nehmen: Lassen Sie sich beim Anprobieren Zeit. Schnüren Sie die Schuhe fest zu, laufen Sie in den Schuhen herum, und tes­ten Sie, ob vor den Zehen genug Platz bleibt (ein bis zwei Zentimeter).

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