Tauchen mit Diabetes

Mit der richtigen Vorbereitung ist Tauchen auch bei Diabetes kein Problem. Die wichtigsten Tipps

von Andrea Grill, 15.09.2016
Mann beim Tauchen

Erst zum Check, dann ins Wasser: Beim Tauchen sollte Sicherheit Vorrang genießen


Der Urlaub am Meer ist gebucht, der Hotelprospekt lockt mit tollen Bildern und dem Angebot, vor Ort das Tauchen zu lernen. Eine prima Gelegenheit. Aber Tauchen mit Diabetes, darf man das überhaupt? "Ja, man darf! Aber anreisen und gleich abtauchen: So spontan geht es leider nicht", sagt der Münchner HNO-Arzt und Tauchmediziner Privatdozent Dr. Christoph Klingmann.

Tauchtauglichkeit vom Arzt prüfen lassen

Seriöse Tauchschulen verlangen von ihren Kunden ein ärztliches Attest, das die Tauchtauglichkeit bescheinigt. Den Check sollte ein Tauchmediziner machen. Er prüft unter anderem Herz und Lunge und beurteilt die allgemeine Leistungsfähigkeit. Für Diabetiker muss der Arzt noch Weiteres abklären. Bestehen zum Beispiel Folgeerkrankungen, die gegen den Unterwassersport sprechen? Wie stabil sind die Blutzuckerwerte – und wie hoch ist das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien)?

Wegen des erhöhten Hypo-­Risikos war Tauchen früher bei Typ-1-Diabetes pauschal verboten. "Das gilt heute nicht mehr", erklärt Dr. Hansjörg Mühlen, Dia­­betologe und Taucharzt aus Duisburg. Entscheidend sei, dass ein Diabetiker seinen Blutzucker gut im Griff habe. Vor allem müsse er wissen, wie seine Werte auf körperliche Belastung reagieren. Für Sport-Einsteiger sei Tauchen deshalb nicht geeignet, so der Experte.

Vor dem Tauchgang ausreichend trinken

Diabetiker, die Unterzuckerungen nicht rechtzeitig wahrnehmen, dürfen leider nicht tauchen. Unter Wasser kann eine Hypo, die Bewusstsein und Reaktionen trübt, lebensbedrohlich werden. Daher sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Sulfonylharnstoff-Präparate (z. B. Glibenclamid, Glimepirid) einnehmen, ihre Therapie in Absprache mit ihrem Arzt auf Medikamente ohne Unterzucker-Risiko­ umstellen.

Hat der Arzt grünes Licht gegeben, steht einem Tauchkurs nichts mehr im Weg. Mediziner Klingmann ­empfiehlt Tauchern, während des gesamten Urlaubs viel zu trinken – in heißen Urlaubsländern mindestens drei Liter pro Tag. Denn der Körper trocknet unter Wasser leicht aus – nicht zuletzt wegen der trockenen Pressluft aus der Taucherflasche. Alkohol ist am Tauchtag selbst und auch am Tag davor übrigens tabu.

Beim Essen setzen Menschen mit Diabetes vor dem Sport am besten auf "langsame" Kohlenhydrate. So vermeiden sie, dass der Blutzucker schnell ansteigt und wieder absinkt. Wer Insulin spritzt, ­reduziert in den Stunden vor dem Tauchen (in Absprache mit dem Diabetologen) die Dosis: Körperliche Anstrengung und Kälte unter Wasser kosten Energie.

Auf eine Unterzuckerung vorbereitet sein

Der Blutzucker sollte vor dem Abtauchen leicht erhöht sein (ca. 180 mg/dl bzw. 10 mmol/l). Auf Nummer sicher geht, wer den Wert 60 und 30 Minuten vor dem Tauchgang sowie unmittelbar davor kontrolliert. Um sich bei einer  Hypo schnell helfen zu können, eignen sich spezielle Trinkflaschen mit Zuckerlösung oder Tuben mit Unterzuckerungsgel, die es in der Apotheke gibt. Wird vom Boot aus getaucht, gehören Blutzuckermessgerät, Traubenzucker und für den Notfall auch eine Glukagonspritze an Bord.

Noch einen Rat gibt Diabetologe Mühlen: "Informieren Sie unbedingt Ihre Tauchpartner über den Diabetes." Sie müssen richtig reagieren können, falls es zu einer problematischen Situation kommt. Man könne zum Beispiel spezielle Handzeichen vereinbaren, erklärt der Arzt, der schon oft Tauchgänge mit Diabetikern gemacht hat. Seine Bilanz: "Ich bin immer auf kritische Situationen vorbereitet, aber ich habe in vielen Jahren noch keine einzige erlebt." Sein Rat: erst gut planen, dann entspannt abtauchen!


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