Mehr Sicherheit bei Medikamenten

Ein neues Sicherheitssystem soll das Fälschen von ­Medikamenten unmöglich machen. Unser Experte erklärt, woran Sie den Schutz erkennen

von Dr. Sabine Haaß, 09.09.2019

Seit Kurzem gilt EU-weit eine neue Fälschungsschutz-Richtlinie für ­­Medikamente. Was war der Anlass?

Die Apotheken in Deutschland sind sehr sicher. In Einzelfällen sind in den vergangenen Jahren trotzdem gefälschte Arzneimittel in den Handel gebracht worden. Für Kriminelle ist das ein lukratives Geschäft. Verpackungen und Medikamente sehen oft täuschend echt aus. Die Präparate enthalten jedoch keinen Wirkstoff oder nicht die richtige Dosis.

Kann die Richtlinie das verhindern?

Wer auf dubiosen Internetseiten Medikamente bestellt, hat weiterhin ein hohes Risiko, Fälschungen zu erhalten. Den illegalen Markt können wir nicht sicherer machen, wohl aber die legale Arzneimittelversorgung durch die Apotheken. Auch hier sind gefälschte ­Präparate, etwa aus Osteuropa, aufgetaucht, ­darunter ein Magensäure-Blocker und ein Leber-Medikament.

Wie sehen die Schutzmaßnahmen aus?

Rezeptpflichtige Arzneimittel — und ­einige wenige rezeptfreie wie der ­­erwähnte Magensäure-Blocker —, die seit 9. Februar 2019 in den Handel kommen, müssen zwei spezielle Sicherheitsmerkmale auf der Packung tragen. Erstens einen Code, in dem unter anderem eine neue individuelle Seriennummer verschlüsselt ist. Mit dieser Seriennummer ist jede einzelne Packung in einer ­Datenbank gespeichert und damit ein Unikat, das man nicht kopieren kann.

Und das zweite Merkmal?

Die Packung muss versiegelt sein, damit man erkennt, dass sie noch ungeöffnet ist: mit einem Klebefilm, einer Perfora­tion oder einfach durch Zukleben.

Der Apotheker kann also ­anhand der Seriennummer die Echtheit prüfen?

Genau. Bevor er Ihnen Ihr Medikament aushändigt, scannt er den Code ein. Ist alles in Ordnung, wird die Packung als "abgegeben" im neuen Sicherheits­­system der Apotheken gespeichert. Falls etwas nicht stimmt, schlägt das System Alarm. Dann bekommen Sie eine ­andere Packung. Und der Apotheker muss klären, ob es sich um eine Fälschung oder einen technischen Fehler handelt.

Findet man die beiden Sicherheitsmerkmale auf jeder Packung?

In Zukunft ja. Alle Medikamente, die vor dem Stichtag von den Pharma­­herstellern produziert wurden, dürfen aber noch so lange im Handel bleiben, bis ihr Verfallsdatum abgelaufen ist — diese Übergangszeit kann bis zu drei Jahre dauern. So lange werden Sie als Patient wohl noch auf Verpackungen mit und ohne die neuen Sicherheitsmerkmale stoßen.

Unser Experte:

Dr. Hans-Peter Hubmann ist Apotheker in Kulmbach und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes e. V.