Impfungen: Das ist während Corona wichtig

Grundsätzlich gelten bei Diabetes besondere Impfempfehlungen. Antworten auf die wichtigsten Impf-Fragen während der Corona-Pandemie

von Alexandra von Knobloch, aktualisiert am 14.01.2021

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die regelmäßige Grippeimpfung ist vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe wichtig. Hierzu zählt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts auch Menschen mit Diabetes mellitus. Demnach sollten sie sich jedes Jahr im Herbst gegen die saisonale Influenza impfen lassen. Für Kinder mit Diabetes gilt dies ab einem Alter von sechs Monaten. Für gesunde Menschen wird die jährliche Grippeimpfung erst ab 60 Jahren routinemäßig empfohlen. Die besondere Impfempfehlung hat einen Grund: Bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass eine Infektion mit Influenzaviren, den Grippeerregern, einen schweren Krankheitsverlauf nimmt – also auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes oder anderen Formen der Stoffwechselerkrankung.

Solange die Corona-Pandemie nicht dauerhaft abgeklungen ist, hat die Grippeimpfung eine zusätzliche Bedeutung. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin deutet an, dass eine Grippeinfektion die Ansteckungsgefahr mit dem Virus SARS-CoV-2 deutlich erhöhen könnte.

Wovor schützt die Grippeimpfung?

Die Grippeimpfung schützt vor der "echten Grippe" (Influenza), nicht aber vor einer Erkältung, also einem grippalen Infekt. Im Unterschied zum "grippalen Infekt" ist die Grippe eine schwere Erkrankung, die meist plötzlich mit hohem Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl beginnt. Schon bei einem normalen Verlauf kann die Grippe Erkrankte tage- oder gar wochenlang ans Bett fesseln. Davon erholen sie sich vergleichsweise langsam. Schlägt die Influenza heftig zu, kann sie zu Komplikationen wie einer von Pneumokokken-Bakterien verursachten Lungenentzündung führen. Einige Personengruppen – darunter Diabetiker, Senioren ab 60 Jahren oder Schwangere – sind durch schwere Grippeverläufe stärker gefährdet. Für sie ist die Grippeimpfung daher besonders wichtig. Diese muss jährlich erfolgen, weil sich das Grippevirus permanent verändert. Der Impfstoff wird jedes Jahr entsprechend angepasst.

Wann ist die beste Zeit für die Grippeimpfung?

Laut STIKO von Anfang Oktober bis Ende November. Der Vorteil: Der Impfschutz ist bereits vollständig ausgeprägt, bevor die Grippesaison in den Wintermonaten ihren Höhepunkt erreicht und das Ansteckungsrisiko am höchsten ist. Außerdem tragen Menschen, die gegen die Grippe geimpft sind, dazu bei, andere vor einer Ansteckung zu schützen. Versäumt man eine frühe Impfung, kann sie den ganzen Winter hindurch nachgeholt werden. Je nachdem, wie lange die Grippesaison andauert, kann eine Grippeimpfung auch im Januar noch sinnvoll sein.

Wie zuverlässig wirkt die Grippeimpfung?

Egal, wogegen man sich impfen lässt: Keine Impfung garantiert einen vollständigen Schutz, denn das Immunsystem jedes Menschen reagiert anders. Für die Grippeimpfung heißt das, dass manche Menschen an der saisonalen Influenza erkranken, obwohl sie geimpft sind. Allerdings verläuft die Erkrankung bei ihnen dann meist deutlich milder als bei Ungeimpften. Auch das Risiko von Komplikationen im Verlauf der Erkrankung sinkt deutlich.

Wie hoch ist jetzt das Corona-Infektionsrisiko beim Arztbesuch?

Wer zum Arzt geht, weil er sich impfen lassen möchte, ist dabei meist deutlich besser vor Corona geschützt als zum Beispiel beim Einkauf im Supermarkt. Die Sorge vor einer Corona-Infektion in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus ist weitgehend unbegründet. Alle Arztpraxen und Kliniken verfügen über ausgefeilte Hygienekonzepte. Mund-Nasen-Schutz, Handhygiene und Abstand halten: Diese Maßnahmen sind im medizinischen Umfeld bestmöglich sichergestellt. Regelmäßig werden in Praxen alle Kontaktflächen desinfiziert, und das Personal trifft alle sinnvollen Maßnahmen, um nicht selbst zum Krankheitsüberträger zu werden. Wer sich unsicher fühlt – etwa bei weiteren Risikofaktoren –, sollte beim Arzt telefonisch anfragen, ob ein Impftermin zu einer Zeit möglich ist, in der sich keine oder nur wenige andere Patienten in der Praxis aufhalten.

Welche Impfungen sind bei Diabetes außerdem empfohlen?

Grundsätzlich gelten für Menschen mit Diabetes die gleichen Impfempfehlungen wie für Gesunde. Die STIKO veröffentlicht diese in ihrem Impfkalender, den sie jedes Jahr aktualisiert.

Menschen mit Diabetes gehören der Risikogruppe der chronisch Kranken an. Für sie gelten einige Besonderheiten:

Pneumokokken-Impfung: Pneumokokken-Bakterien können unter anderem lebensgefährliche Lungenentzündungen verursachen. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzleiden oder Lungenerkrankungen. Darum empfiehlt die STIKO: Säuglinge sollten ab einem Alter von zwei Monaten geimpft werden, außerdem Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes sowie generell Menschen ab 60 Jahren. Eine Auffrischung ist für Diabetiker alle sechs Jahre nötig.

Gürtelrose (Herpes zoster): Wer sich früher im Leben einmal mit Windpockenviren angesteckt hat, kann Jahre später Gürtelrose bekommen. Windpocken und Gürtelrose werden vom selben Erreger, Herpes zoster, ausgelöst. Einmal im Körper, siedeln sich diese Viren dauerhaft in Nervenknoten an. Dort können sie ein Leben lang harmlos vor sich hinschlummern. Genauso können sie sich aber irgendwann vermehren und Gürtelrose auslösen. Folge können heftige Nervenschmerzen in einem meist gürtelförmigen Hautbereich sein, die im schlimmsten Fall monate- oder jahrelang anhalten und weitere Komplikationen auslösen. Ab 60 Jahren sollte man sich generell gegen Gürtelrose impfen lassen. Für Diabetiker und andere chronisch Kranke gilt: bereits ab 50 Jahren. Dafür sind zwei Spritzen im Abstand von mindestens zwei und maximal sechs Monaten nötig.

Auffrischungen: Bei chronischen Krankheiten, also auch bei Diabetes, ist es besonders ratsam, den eigenen Impfstatus regelmäßig zu kontrollieren. Gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Keuchhusten (Pertussis) steht alle zehn Jahre eine Auffrischung an. Außerdem: Polio (Kinderlähmung) und Masern.

Brauche ich eine FSME-Impfung?

FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis, ist eine Virusinfektion, die durch Zecken übertragen wird und sich bei schweren Krankheitsverläufen in Form einer Hirnhautentzündung zeigt. Bleibende Schäden sind möglich. Die Gebiete, in denen das Risiko besonders hoch ist, weiten sich aus – genauso wie zeitlich die Zeckensaison. In Deutschland sind vor allem Baden-Württemberg und Bayern betroffen. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht jedes Jahr eine aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete. Wer sich in einem Risikogebiet öfter im Freien aufhält, sollte sich gegen die Infektion impfen lassen. Mit der Serie aus drei Impfungen beginnt man am besten im Herbst, dann ist man im nächsten Frühling, rechtzeitig zur Zeckensaison, vollständig geschützt.

Was tun, wenn der Impfpass nicht aktuell ist?

Anhand des Impfpasses lässt sich der persönliche Impfstatus am einfachsten nachvollziehen. Ist er verloren gegangen oder unvollständig, kann ein erfahrener Arzt im Gespräch meist rekonstruieren, welche Impfungen individuell sinnvoll sind. Eine Blutuntersuchung ist dafür fast nie notwendig. Im Zweifelsfall wird zur Sicherheit – eventuell erneut – geimpft. Dies ist in der Regel problemlos möglich.

Werden die Kosten bei besonderen Impfempfehlungen für Diabetiker erstattet?

Grundsätzlich ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner für jede Impfung, bei Kindern der Kinderarzt. Eine Ausnahme bildet momentan nur die Corona-Impfung, die derzeit ausschließlich über Impfzentren beziehungsweise mobile Impfteams erfolgt. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen grundsätzlich die Kosten für alle von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen. Für an Diabetes Erkrankte werden Impfungen gegen die Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose entsprechend diesen Empfehlungen bereits in einem jüngeren Alter bezahlt als bei Gesunden. Die Corona-Impfung wird bezahlt, sobald man, Diabetiker oder nicht, laut der Priorisierungsliste an der Reihe ist.

Wie häufig kommt es bei Diabetes zu Impfreaktionen?

Es gibt keine Hinweise, die auf ein erhöhtes Risiko hindeuten. Rötungen, Schwellungen, Druckempfindlichkeit, leichtes Fieber oder Unwohlsein sind übliche Impfreaktionen, die bei Gesunden genauso oft vorkommen wie bei Menschen mit Diabetes.

Können Impfungen Typ-1-Diabetes auslösen?

Wissenschaftlich wurde diese Frage bereits mehrfach untersucht. Es gibt aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Impfungen und der Entstehung von Typ-1-Diabetes. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes zwar leicht zugenommen. Zeitgleich gibt es mehr Impfangebote als früher. Diese beiden Ereignisse haben aber offenbar nichts miteinander zu tun. Die Veranlagung für Typ-1-Diabetes liegt in den Genen, und oft manifestiert sich die Erkrankung in Zusammenhang mit "stressigen" Ereignissen, z.B. einem Infekt.

Beratende Experten

  • Dr. Judith Koch und Dr. Sabine Vygen-Bonnet, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Fachgebiet Impfprävention, Robert Koch-Institut, Berlin
  • Dr. Bernhard Lippmann-Grob, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und Medizinhygiene, Offenburg
  • Dr. Andreas Liebl, Leiter des Zentrums für Diabetes- und Stoffwechselerkrankungen der Fachklinik Bad Heilbrunn